Frauenchor überzeugt bei vierter Revue

Solinger Tageblatt * 17. September 2019 * von Jutta Schreiber-Lenz

Chor der Klingenstadt zeigte „Ich brauch’ Tapetenwechsel“ stimmstark und mit viel Witz im Theater.

 

Beim Applaus am Ende hielt es das Publikum nicht lange auf ihren Sitzen: Nach dem gelungenen Schlusspunkt „Thank you for the music“ bedankten sich die Fans des Frauenchores der Klingenstadt Solingen 1990, die den Pina-Bausch-Saal nahezu komplett füllten, mit temperamentvollen Ovationen.

 

Auf die Bühne brachte die geballte Frauenpower noch weitere musikalische Asse: Mit der Udo-Jürgens-Ballade „Ihr von morgen“ und einem schließlich endgültig finalen „Curtain up“ setzten die mehr als 30 Darsteller noch ein paar Ausrufezeichen hinter ihre vierte szenische Revue.

 

Mit „Ich brauch’ Tapetenwechsel“ hatten die Chordamen (und die zwei Gastherren Jochen Schaaf und Paul Hermann Stöber) mit ihrem musikalischen Leiter Thomas Schlerka und erneut unterstützt von Regisseurin Stephanie Heine zwei Stunden lang bewiesen, dass sie längst mehr können als singen. Ihr vierter Ausflug in die Welt der Revue strotzte vor souveräner Spielfreude.

 

Zwischendurch gab es immer wieder spontanen Beifall

 

Die 14 Hauptdarsteller, die augenzwinkernd und mit spürbar größtem Vergnügen in die Rollen der Besucher von „Tinas Therapie-Tempel“ geschlüpft waren um dort zu sich selbst zu finden und peu à peu die Masken ihres Lebens fallenzulassen, überzeugten auf der ganzen Linie. Immer wieder gab es lauten Spontanbeifall für schmissige Choreographien, witzige Dialoge oder besonders stimmstarke Soli, die durchaus für Gänsehaut-Momente sorgten. Kristin Chuentim etwa begeisterte mit ihrer Interpretation von Piafs „Je ne regrette rien“, Marcia Müller punktete als flippige Fritz mit „Da war einst ein Traum“ und beharkte sich zusammen mit Annette Schwebs in „Alles was Du kannst“ mit fetziger Frische.

 

Jochen Schaaf hatte mit Jürgens‘ „ehrenwertem Haus“ und „New York“ direkt zweimal Gelegenheit, mit seiner Stimme zu beeindrucken. Paul Hermann Stöber machte als farbiger „Captain“ eine gute Figur.

 

In den Kostümen steckt viel Liebe zum Detail

 

Ingrid Schäfer war als Traumatantratherapietussitante Tina mindestens ebenso therapiebedürftig wie ihre Patienten, und das Kleeblatt Sabine Schaaf, Martina Müller, Renate Diefenbach und Rosemarie Adelsberger traf sich zu Miss-Marple-Klängen regelmäßig zu Zocker-Runden.

 

Flippig und Kess bekannten Anna Blasberg, Sigrid Broch und Nicole Sander, keine Schokolade zu mögen. Aber auch den in weiß gekleideten, nicht profilierten Chordamen galt der begeisterte Applaus des Publikums. Ihre klangschönen Stimmen machten das Ganze erst richtig gut und rundeten die musikalische Story ab.

 

Mit dem Sinfonieorchester der Philharmonischen Gesellschaft Düsseldorf, seit Jahren ebenfalls unter der Leitung von Thomas Schlerka, begleitete ein sensibles Ensemble die sorgfältig zur Handlung ausgewählten Schlager, Musical-Songs oder Pop-Stücke.

 

Viel Liebe war auch in Kostüm-Details geflossen: Bunte Domino-Masken verdeckten zum Beispiel zunächst die Augen aller Bühnen-Protagonisten, die im Laufe des Nachmittags bei jedem verschwanden.